Stadtentwicklung und „Städtisches Museum“

25.11.2014 | Rund fünfzig interessierte Zuhörer der Lions Clubs Göttingen und Göttingen-Hainberg folgten den spannenden Vorträgen von Stadtbaurat Thomas Dienberg und Prof. Dr. Peter Aufgebauer ,  1. Vors. des Geschichtsvereins Göttingen.

Thomas Dienberg stellte die grundsätzlichen Themenblöcke der Stadtplanung und Stadtentwicklung vor und erläuterte das Spannungsfeld, in dem sich sein Fachbereich befindet: Vorhandenes beurteilen, belassen oder verändern, Neues integrieren sowie städtische Strukturen den Bedürfnissen zeitgemäß anpassen. Wohnen in der Innenstadt ist ein Ziel, ein Kompaktes Stadtbild bei Minimierung der Wege soll erhalten bleiben. Die von der Weender Straße abzweigenden Einkaufsstraßen sollen an ihren Enden miteinander verbunden werden, beispielsweise über die Burgstraße. Die Stadthalle oder ein Nachfolgebau muss am jetzigen Standort bleiben. Eine nördliche Kulturachse ist erwünscht, in der zur Zeit auch das Städtische Museum liegt, das selber ein Ausstellungsobjekt ist. In der Stadtentwicklung spielt neben den fachlichen und gesellschaftlichen Kriterien auch die Politik eine wesentliche Rolle.

Dazu passte die aktuelle Diskussion um den Umzug des Städtischen Museums vom Ritterplan in die Voigtschule an der Bürgerstraße.

Professor Dr. Aufgebauer ist Professor am Institut für Historische Landeskunde, zuständig auch für die Denkmalpflege der Universität, und Vorstandsvorsitzender des Geschichtsvereins für Göttingen und Umgebung. Er erläuterte die Geschichte und Bedeutung des Objekts.

Das Städtische Museum ist schon in seinen Gebäudeteilen ein Stück Stadtgeschichte. Beginnend mit einem spätmittelalterlichen Steinbau, dem Adelspalais der Herren von Plesse, später dem Herrensitz derer von Hardenberg und mit St. Jakobi als Herrschaftskirche, als Pfarrkirche des Herrschaftsviertels am Ritterplan. Ab 1289 begibt sich die jüdische Gemeinde in den Schutz der Herrschaft an der Jüdenstraße. Von der Gotik über die Renaissance bis zum Barock und über den Bau von 1711 - der 1754 die für die Kontakte der Stadt nach Hannover und bis England wichtige Posthalterei aufnimmt – bis hin zum Kapellenanbau, der im musealen Verständnis des 19. Jahrhunderts die ideale Bleibe für die hochkarätige Kirchenkunst des Städtischen Museums ist.

So ist das Denkmalensemble selbst das größte Exponat des Museums, indem es eine Geschichte von mehr als 500 Jahren illustriert. Nach der vollendeten Sanierung des Fachwerkbaus an der Ecke Jüdenstraße und der anschließenden früheren Remisen längs des Ritterplans im Rahmen des Förderprogramms „Städtebaulicher Denkmalschutz“ steht nach der Inventur der 150.000 Objekte die weitere Arrondierung – darunter ein barrierefreier Zugang - mit Hilfe weiterer möglicher Fördermittel an. Dieses Programm birgt dann auch Entwicklungschancen für die Nachbarschaft und das ganze Quartier.

Nach Auffassung des Geschichtsvereins spricht alles für den Erhalt des Städtischen Museums am gegenwärtigen Standort. Auch für Stadtbaurat Dienberg hat die Prüfung der Standorte ergeben, dass die fachlichen und sachlichen Gründe für den Ritterplan sprechen. Die Entscheidung über den Standort obliegt allerdings den politische Gremien. (Peter Paelowski, Jens Jenßen)


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