Die Äthiopien Reise

Göttingen/Äthopien, 17.03.2015 | Über 600 Völker und Stämme besiedeln Äthiopien, davon mit zahlreichen Sprachen und unterschiedlichsten Kulturen. Die Lionsfreunde Bremer, Porada und Weber haben im vergangenen Jahr mit ihren Ehefrauen an einer Landeserkundung in Äthiopien teilgenommen, die ihnen umfangreiche Eindrücke verschafft hat. Diese Eindrücke haben uns unsere Freunde in einem umfangreichen Bildbericht anschaulich vermittelt. Der Bogen der Themen spannte sich über Landschaftsbilder mit jahrtausendealter Terrassenwirtschaft im Norden, über eine Übersicht über die Völker mit einer Kollektion von Bekleidung, Schmuck und Beschäftigungen bis hin zu einem Besuch bei dem König des Volks der Konzo im Süden. Der König lebt in einem festungsartigen Kral als Palast und regiert und spricht nach alten Traditionen Recht für sein Volk. Studiert hat er übrigens Bauingenieurwesen. Eindrucksvoll war schließlich der Bullensprung, ein Initiationsritual, bei dem ein 14-Jähriger nackt über mehrere Bullen springt. Schafft er es, wird er zum Mann. Schafft er es zweimal nicht, muss er sein Dorf verlassen.



Impressionen einer Äthiopienreise

Die Reise erstreckte sich in zwei großen Schleifen, ausgehend von Addis Abeba im Zentrum (2500 m ü.NN.), zunächst zu den UNESCO-Weltkulturerbestätten im Norden (Gondar, Simien-Gebirge, Axum und Lalibela) sowie in einer zweiten Schleife entlang der Seen des Rift Valleys nach Süden zu den Naturvölkern der Omo-Region nahe der kenianisch-sudanesischen Grenze. Besondere Höhepunkte der Reise waren im Norden die imposante Kaiserfestungsstadt Gondar mit ihren stilistischen Einflüssen aus Indien, Arabien und Europa, das unzugängliche „Dach Afrikas“ mit bis zu 4000 m hohen Bergen, der uralte Herrschersitz Axum (Stelenfelder aus dem 5. Jhdt. a.d. sowie höchstes Heiligtum der äthiopisch-orthodoxen Kirche mit Aufbewahrungsort der heiligen Bundeslade) und die weltberühmten Felsenkirchen von Lalibela. Auf der Fahrt im Landrover nach Süden imponierte die Rift-Valley-Landschaft mit Vulkangebirgen, riesigen Seen und Halbwüsten. Der sehr erfahrene örtliche Reiseführer brachte die 12-köpfige Gruppe in Kontakt mit der Lebensweise verschiedener, z.T. bedrohter Naturvölker, u.a. den Dorze, Mursi, Ari, Hamer und Konzo. Zwei Höhepunkte im Süden, denen bei der Präsentation jeweils ein eigener Vortrag gewidmet war, waren der Initiationsritus der jungen Hamer-Männer, der berühmte „Bullensprung“, im äthiopischen Outback sowie eine Audienz beim König des Volkes der Konzo in seiner jahrhundertealten Residenz, ganz in klassischer Holzrundbauweise mit zahlreichen Nebengebäuden. Der sehr bescheidene, studierte Bauingenieur folgte seinem Vater nach dessen Tod auf den Thron und gilt als höchster Friedensrichter und Kirchenfürst der Konzo. Neben der Mediation zwischen der äthiopischen Zentralregierung und seinem Volk sorgt der König für die Organisation der Landwirtschaft (die uralte Terrassenwirtschaft der Konzo an den Vulkanhängen wurde ebenfalls als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt) und der Infrastruktur (Strom, Wasser, Telekommunikation, Straßen). Die Reisenden kehrten mit unvergesslichen Eindrücken nach Addis Abeba zurück, einer pulsierenden Großstadt, in der sich Moderne, Tradition und Migrationsarmut auf eindrucksvolle, aber auch verstörende Weise mischen. Es bildete sich in den Köpfen eine Vorstellung davon, mit welcher Dynamik Abertausende überwiegend junger afrikanischer Menschen nach Arbeit, Bildung und einer Lebenschance drängen und dafür notfalls auch den gefährlichen Weg über das Mittelmeer nach Europa in Kauf nehmen.

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